Zentgrafen, Amtmänner und Bürgermeister

    Historie: Wolfgang Gerz hat die Historie des Amtssitzes Rennerod dokumentiert

     

    ■ Rennerod. Im Gebäude der  Verbandsgemeinde in Rennerod verdeutlicht eine Tafel die lange Verwaltungstradition des alten und neuen Amtssitzes Rennerod. Im Beisein von VG-Bürgermeister Gerrit Müller und dem Verfasser Wolfgang Gerz (Oberrod) wurde diese Infotafel jetzt offiziell ihrer Bestimmung übergeben. Sie informiert über die Jahrhunderte zurückreichende Tradition der heutigen Stadt als zentraler Verwaltungssitz im Hohen Westerwald. Gerrit Müller zeigte sich erfreut, dass nunmehr im Gebäude selbst eine Rückschau auf die Geschichte des Hauses möglich ist: „Jüngere Bewohner oder auch viele Besucher wissen ja nicht mehr, dass hier über Jahrzehnte ein Amtsgericht seinen Sitz hatte“ Bei Verlegung des Amtsgerichtes nach Westerburg ging das Gebäude an die neu gegründete Verbandsgemeinde über, die damit ein markantes Baudenkmal in der Mitte der Stadt einer sinnvollen Nutzung zuführte und so langfristig den Erhalt sicherte. Wolfgang Gerz freute sich besonders über einen Fund im Hauptstaatsarchiv in Wiesbaden: „In einer Bauakte aus dem Jahr 1775 hatte sich sogar noch eine Zeichnung des ersten Amtshauses in Rennerod erhalten“.

    Die Anfänge

    Die Anfänge der Amtsverwaltung reichen in das so genannte Amt Stuhlgebiet zurück, das zeitweise die Orte der Kirchspiele Rennerod, Höhn, Rotenhain und Seck umfasste. Von 1607 bis 1718 erhoben so genannte Zentgrafen in Rennerod die Einnahmen für das Amt Stuhlgebiet. 1718 richtete Nassau-Diez für das Amt Stuhlgebiet und das Kirchspiel Elsoff ein neues gemeinsames Amt ein. 1744 kam es zu einer Reform und der Einrichtung einer Zentralverwaltung in Hadamar. In dieser Hadamarer Verwaltungsphase setzte man Friedrich Weyel aus Stein als Kirchspielschultheiß ein, dessen Stelle man nach 1771 wieder aufhob.  Diese Zentralverwaltung bewährte sich aber nicht, und so kehrte man 1775 unter Nassau-Oranien zur vorherigen Amtseinteilung zurück. Seit dieser Zeit ist Rennerod durchgängig Verwaltungssitz für das Amt Stuhlgebiet, das jetzt auch Amt Rennerod genannt wird. In den Jahren 1775/76 errichtete man dazu auch ein eigenes Verwaltungsgebäude (Amtshaus). 

    Am 24.4.1782 wechselten die Kirchspiele Höhn und Rotenhain zum Amt Marienberg. Dafür wurden dem Amt Rennerod die Kirchspiele Emmerichenhain, Neukirch und Liebenscheid aus dem Amt Beilstein zugewiesen. Das Amt Rennerod  kam 1806 unter der kurzseitigen napoleonischen Herrschaft zum neu gebildeten Großherzogtum Berg. Verwaltung und Gerichte wurden durch das Edikt vom 14.11.1808 nach französischem Vorbild neu gegliedert. Zur Mairie Rennerod gehörten alle Orte des Kirchspiels Rennerod sowie Seck und Irmtraut. 1813 endete die französische Herrschaft im Westerwald und das Amt Rennerod wurde wieder Nassau-Oranien zugewiesen. In dieser Form kam es 1815 an das Herzogtum Nassau. 1816 verlor es die Kirchspiele Neukirch und Liebenscheid an Marienberg; nahm dafür aber die Kirchspiele Elsoff und Neunkirchen aus dem Amt Mengerskirchen auf. Zu Zeiten des Herzogtums Nassau (1816-1866) gehörte zum Zuständigkeitsbereich des nassauischen Amtes Rennerod sogar die Stadt Westerburg. 1866 verleibte sich Preußen das Herzogtum Nassau ein. Aus einer nassauischen wurde eine preußische Verwaltung. So bildeten die Ämter Rennerod, Marienberg und Hachenburg ab 1867 den Oberwesterwaldkreis. Die Kreisverwaltung nahm ihren Sitz in Marienberg. Damit verlor Rennerod zunächst seine Stellung als regionaler Verwaltungssitz, bis es 1972 durch die Schaffung der Verbandsgemeinde wieder eine solche erlangte.  

    Gerichtswesen in Rennerod

    Das Gerichtswesen reicht in Rennerod bis ins 16. Jahrhundert zurück. Das Landgericht bestand wohl noch 1665 als man „ober dem Dorf das Halsgericht gehalten“ hat. Der Vorsitz in den untergeordneten Zentgerichten oblag den Zentgrafen. Während das Landgericht für Hoch- und Blutgerichtsbarkeit zuständig war, besorgten die Zentgerichte die freiwillige Gerichtsbarkeit. Seit 1591 hatte ein Zentgraf dauernd in Rennerod seinen Sitz. Neben der niederen Gerichtsbarkeit versahen die Zentgrafen auch Verwaltungsaufgaben.

    Das Zentgericht hatte anfangs keinen gebäudlichen Sitz, sondern tagte vielfach in Nähe der Kirche. Erst später diente das Haus des Zentgrafen auch als Ort, in dem Recht gesprochen wurde. Die Tradition der Zentgrafen endete in Rennerod mit Johann Anton Flick (1699- 1731). Mit dem Ende der Zentgrafen ging auch die niedere Gerichtsbarkeit an die Ämter über. Auch zu Zeiten des Herzogtums Nassau war die Amtsverwaltung für die Rechtssprechung zuständig. Erst mit dem Übergang an Preußen 1866 wurden Verwaltung und Justiz getrennt. Schon ein Jahr später entstand in Rennerod das erste Amtsgerichtsgebäude. 1972 endet mit der Verlegung des Amtsgerichts die jahrhundertelange Gerichtstradition in Rennerod. In das bisher von der Justiz genutzte Gebäude zog nunmehr die neugebildete Verbandsgemeindeverwaltung ein.  

    Der jetzige Sitz der Verbandsgemeindeverwaltung wurde zwischen 1912 und 1914 als Amtsgerichtsgebäude erbaut. Das Amtsgericht hatte an etwa gleicher Stelle allerdings einen Vorläuferbau, der schon 1867 entstand. Bildvergleiche unterstützen die Annahme dass das erste Gerichtsgebäude aus dem ersten Amtshaus hervorgegangen ist. 1875 erhielt Rennerod auch ein Katasteramt, das im Amtsgerichtsgebäude untergebracht war. Es bestand bis 1931 und wanderte dann nach Westerburg ab. Als auch die Justizverwaltung 1972 nach Westerburg wechselte, wurde das Gerichtsgebäude für 200.000 DM angekauft und in den Folgejahren umfassend ausgebaut und renoviert. Für rund 700.000 DM entstanden ein neuer Sitzungssaal, 30 Büroräume und eine Hausmeisterwohnung. Am 17. Oktober 1974 konnte das Gebäude seiner neuen Bestimmung übergeben werden. Von den früheren Verwaltungssitzen der Zentgrafen und Amtmänner ist an baulicher Substanz nichts erhalten geblieben.

    Der Bau 1775/76

    Das 1775/76 neu errichtete Amtsgebäude wurde wenig später um Archivräume erweitert. Ein Bauplan (Grundriss) gewährt einen Einblick zu Lage und Aufteilung. Neben einer Amtsstube war hier Platz für die Wohnung des Amtmanns. Zusätzlich diente es landwirtschaftlichen Zwecken und verfügte über einen großen Gemüse- und Obstgarten. Auch ein eigener Amtshausbrunnen war angegliedert, für den bis 1812 der Amtsdiener Pitton zu sorgen hatte. Der Bau dieses ersten Renneroder Amtshauses wurde betreut vom Dillenburger Bauinspektor Sckell (sic!). Es stand - wie das erste Amtsgerichtsgebäude -  giebelseitig zur Hauptstraße. Infolge der Auswirkungen der napoleonischen Kriege kommt es auch zu Veränderungen in der Verwaltung. Aber schon 1814 wird Amtmann Hinzpeter aufgetragen „seinen Wohnsitz sofort wieder in dem herrschaftlichen Amtshause zu Rennerod zu nehmen“. Das Amtshaus befand sich zu dieser Zeit allerdings in einem schlechten Zustand, weshalb in den Folgejahren auch zahlreiche Renovierungen vorgenommen wurden. .          

    Verwaltungsbeamte in Rennerod

    Als Zentgrafen in Rennerod sind namentlich bekannt: Henne von Sydenstein (1482), Quaden Hagen (1515), Wetzeln Hagen (1527-37), Cuntz (1537-1546), Hen Becker (1577), Servatius Schönstein (1569), Jost Flick (1590-1620), Johann Pistor (1620-1631) und Johann Anton Flick (1631 – ff). Als Amtmänner fungierten in Rennerod Johann Schenk (1775-1781), Georg Daniel Rath (1781-1789), Johann Philipp Conradi (1789 – 1802), Eckhardt Daniel Philipp Rath (1801-1802) und Heinrich Ernst Hinzpeter (1803-1811).  Mairies in Rennerod waren: Jakob Krahm (1809), Heinrich Güth (1809-1811), Jakob Jeckeln (1811), H.E. Guiot (1811-1812) und Fuchs (1812-1813). Als herzoglich nassauische Amtmänner wirkten in Rennerod: Arnold von Sachs (1816), Wilhelm Heinrich Theodor Chelius (1816-1825), Carl Friedrich Victor (1825-1836), Ernst Heinrich Wolf (1836-1842), Martin Friedrich Schenck (1842-1843), Maximilian Rudolf Ernst von Reichenau (1843-1845), Gustav Knisel (1845-1848), Johann Burgeff (1848), Friedrich Held (1851-1859), Carl Michael Claudius Wirth (1859-1862), David Christian Schütz (1862/63 – 1867). Verbandsbürgermeister seit 1972: Karl Boller (1972-1983), Werner Daum (1983-2014) und Gerrit Müller (seit 2014).

    Bericht: Carsten Gerz