Wasserstoff als Erdöl des 21. Jahrhunderts?

    Energiewende: Veranstaltung in Rennerod zeigt Probleme und Lösungsansätze auf

    Rennerod. Wie steht es um die angestrebte Energiewende? Wie kann dem Klimawandel entgegengewirkt werden? Was soll und muss sich lokal verändern und welche Möglichkeiten zeichnen sich dazu ab? Viele Fragen, auf die vier Referenten bei einer Veranstaltung in der Westerwaldhalle in Rennerod Antworten suchten. Unter der Überschrift „Wasserstoff – Energieträger der Zukunft“ hatten dazu die Verbandsgemeinde Rennerod sowie ihre beiden Umweltbeauftragten Helmut Scherer (Elsoff) und Robert Schönberger (Seck) eingeladen. Man hatte zwar ausgewiesene Fachleute gewonnen, aber es wurde schnell klar: Auch die haben längst noch nicht Antworten und Lösungen für alle sich aufzeigenden Probleme parat.

    Verbandsbürgermeister Gerrit Müller freute sich in seiner Begrüßung über das große Interesse an der Veranstaltung. Auch die VG-Verwaltung habe sich die Themen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz schon länger „auf die Fahne geschrieben“ und entsprechende Maßnahmen umgesetzt. Wirtschaftliche Entwicklung und Nachhaltigkeit seinen keine Gegensätze, sondern können sich durchaus wert- und wirkungsvoll ergänzen. Durch das Vortragsprogramm führte dann Dipl.-Ing. Peter Müller von der Energieagentur Rheinland-Pfalz/Regionalbüro Altenkirchen, der im ersten Vortrag den Stand der Energiewende in Deutschland und dabei auf die lokalen Gegebenheiten einging.

    Der Klimawandel ist inzwischen überall spürbar und macht auch vor Deutschland nicht halt. Müller zeigte den Nutzen der Energiewende  und die entsprechenden Handlungsfelder auf. Bei der Stromwende ist die VG Rennerod Spitzenreiter im Westerwaldkreis. Einem Verbrauch von 72.036 kWh steht eine Einspeisung von 148.616 kWh gegenüber. Im Kreis insgesamt werden 978.632 kWh verbraucht und 422.510 kWh eingebracht. Er bemängelte dass gegen den Klimawandel zu wenig getan werde. Was der Einzelnen tun kann, dass kann man beispielsweise alle 14 Tage donnerstags bei der Energieberatung in der VG Rennerod erfragen.

    Dr. Dominik Böckling (ebenfalls Energieagentur RLP) ging auf die Elektromobilität im ländlichen Raum ein. Das hohe Ziel bis 2002 eine Million E-Autos auf die Straße zu bringen, ist wohl kaum erreichbar. Im Kreis Westerwald waren zum Jahresende 2018 167 E-Autos und 618 Hybrid-Fahrzeuge angemeldet. Probleme bereiten die noch mangelnde Reichweite und das unzureichende Netz an Ladestationen. Dr. Alexander Reis (IfaS-Institut der Uni Trier) forscht am Umweltcampus Birkenfeld und gab in seinem Vortrag einen Überblick zur Nutzung von Wasserstoff und Erdgas im Privathaushalt. Für ihn ist die Wärmewende der komplexe Sektor in der Energiewende. Hier haben in den letzten Jahren die Anreize gefehlt.

    Für Reis ist „Wasserstoff der Stoff aus dem die Zukunft ist“. Er ist das häufigste Element im Universum und schadet weder Natur noch Umwelt. Man kann ihn umwandeln und dann über das Gasnetz vertreiben. Hersteller bieten auch schon Brennstoffzellen zur Wasserstoffnutzung an. Für den privaten Sektor ist die Nutzung aber noch mit hohen Anschaffungskosten verbunden. Im abschließenden Vortrag von Jürgen Fuhrländer (GfW, Rennerod) ging es vorwiegend um die Nutzung von Wasserstoff als Treibstoff. Dies ist für sein Unternehmen ein Schwerpunktprojekt. Die GfW ist lokaler Vorreiter dieser Technologie. Über einen Elektrolyseur wird Wasserstoff erzeugt, kann umgewandelt  als Gas eingelagert oder in PKW-Brennstoffzellen genutzt werden. Die GfW-Autoflotte ist bereits mit entsprechenden Fahrzeugen ausgestattet; eine „Wasserstoff-Tankstelle“ in Vorbereitung. Bisher gibt es solche nur in Siegen und Limburg. Der 1766 von Henry Cavendisk entdeckte Stoff ist für Fuhrländer „eine unerschöpfliche Energie und das Erdöl des 21. Jahrhunderts“.

    Der Vortragsabend zeigte auf, dass vieles noch in den Kinderschuhen steckt, dass noch enorme Anstrengungen notwendig sind und längst noch nicht für alle Probleme eine Lösung in Sicht ist. Zudem ist weiterer technischer Forschergeist gefragt und es müssen Fördermittel fließen. Bei allen noch offenen Punkten, war für die Vortragenden ein ganz klar: Es gibt keine Alternative zum Wandel. Die vielen Fragen aus dem Kreis der Besucher zeigten auch, dass großes Interesse an einer Energiewende und neuen Energieformen besteht.

    von unserem Mitarbeiter
    Wolfgang Gerz

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