Renneroder Chronisten besuchten Bibliothek

    Jahrestreffen der örtlichen Geschichtsschreiber in Kloster Marienstatt 

    Wer selbst Bücher bzw. Chroniken schreibt, der hat auch Interesse an den Veröffentlichungen anderer Autoren. So war der Besuch der Dorfchronisten der Verbandsgemeinde Rennerod in der altehrwürdigen Bibliothek von Kloster Marienstatt ein wirkliches Highlight für die lokalen Geschichtsschreiber aus dem Raum Rennerod. Bürgermeister Gerrit Müller und sein Büroleiter Konrad Groth wurden denn auch für diese Idee und die Organisation mit viel Lob bedacht. Durch die Bibliothek führte Jörg Ditscheid, der sehr viel Interessantes zum Haus und zu den Büchern zu berichten wusste.

    Der klösterliche Buchbestand ist mehrfach umgezogen und ist heute im sogenannten Neubau, einem Gebäude aus den Jahren 1907/08 untergebracht. Die Ständerbauweise war für damalige Verhältnisse sehr modern. In zwei Etagen sind hier 108.000 Medien beheimatet, davon 98.000 Bücher. 22.500 davon zählen zum historischen Altbestand (bis 1900), der als geschütztes Kulturgut ausgewiesen ist. Geschmückt werden die Regalreihen durch die 12 Apostelfiguren, die dem Hadamarer Barock zuzurechnen sind und aus der Abteikirche hierher überführt wurden.

    In den Wirren der Jahrhunderte hatte das Kloster schwierige Zeiten zu überstehen, wurde in Kriegswirren verwüstet und geplündert; in der Säkularisierung sogar völlig aufgelöst und erst später wieder besiedelt. Auch dazu wusste Ditscheid einiges zu erzählen. So beispielsweise, dass Soldaten mit Büchern aus dem Klosterbestand die matschigen Wege befestigten, damit Pferdewagen besser vorankamen. Dabei ist natürlich vieles verloren gegangen. Das älteste vorhandene Buch ist um 1300 gefertigt worden; man verwahrt aber auch eine Pergament-Urkunde aus der Zeit um 1200. Die interessierten Gäste bestaunten Taschenbücher aus dem 17. Jahrhundert und kunstvoll gestaltete Buchseiten in den Ausstellungsvitrinen.

    Die Privatbibliothek ist nicht frei zugänglich, steht allerdings wissenschaftlichen Arbeiten offen. Nach rund 90 Minuten waren die Gäste mehr als beeindruckt und Gerrit Müller dankte dem Bibliothekar für seine aufschlussreichen Erklärungen und für die Antworten auf zahlreiche Fragen.  Zum gemütlichen Abschluss versammelte sich die Chronistenschar dann im Marienstätter Brauhaus. Bei Brau- und Kochkunst wurde noch ausgiebig über die Buchkunst diskutiert.  

    (Text und Foto: Wolfgang Gerz)