Forstinformation aus den Forstrevieren der Verbandsgemeinde Rennerod

    Unser Wald hat sich die letzten Jahre dramatisch verändert, insbesondere die Baumart Fichte. Sie stirbt auf großer Fläche ab und es entstehen weite Kahlflächen.
    Was zurzeit in den Wäldern der Verbandsgemeinde Rennerod passiert, beschäftigt viele Bürgerinnen und Bürger. Es entstehen Unklarheiten über den Grund der aktuellen Situation, die durchgeführten Arbeiten und der Auswirkungen für die Zukunft. Der nachfolgende Fragenkatalog soll Ihnen helfen, die Situation etwas besser zu verstehen.

    Was ist passiert?
    In den Jahren 2018 bis 2020 waren die Niederschläge in den Vegetationszeiten (Frühjahr und Sommer) so gering, dass insbesondere die Baumart Fichte Trockenstress in außerordentlichem Maße erfahren musste, man könnte auch sagen, die Fichte verdurstet. Dadurch hatten Schädlinge wie der Borkenkäfer leichtes Spiel. Der natürliche Abwehrmechanismus der Fichte, nämlich den Käfer durch Harzaustrieb zu ertränken, erfolgte nicht mehr in ausreichendem Maße. Durch die langanhaltenden Schönwetterperioden konnte sich der Borkenkäfer explosionsartig und so stark wie noch nie zuvor vermehren.

    Fichten stehen lassen oder fällen?
    Grundsätzlich sind Forstbetriebe Wirtschaftsbetriebe mit dem Ziel, aus dem Wald der jeweiligen Ortsgemeinde Gewinne zu erzielen. Alleine vom „Drauflegen“ kann niemand existieren.
    Es gibt sowohl sinnvolle Argumente, abgestorbene Fichtenflächen zumindest partiell stehen zu lassen, als auch gute Gründe für das vollständige Abernten der Schadflächen. Den einen „Königsweg“ gibt es allerdings nicht.

    Was passiert mit dem eingeschlagenen Holz?
    Ein Großteil der Holzmengen wurde nach China exportiert aber auch in EU-Nachbarstaaten, wie z.B. Österreich. Aufgrund der Tatsache, dass viele Waldflächen bereits abgeerntet sind, kann das nun noch anfallende Schadholz regional vermarktet werden. Die Vermarktung erfolgt dabei ausschließlich über die „Holz-WRT“, die Kommunale Holzvermarktungsgesellschaft Westerwald-Rhein-Taunus mbH.

    Gibt es keine Möglichkeiten der Borkenkäferbekämpfung bzw. der Holzkonservierung?
    Eine Bekämpfung des Borkenkäfers durch großflächiges Ausbringen von Insektiziden hätte mögliche gesundheitliche Folgen für Mensch und Natur. Auch das Land Rheinland-Pfalz hat beschlossen, im Staatswald keine Pestizide gegen den Borkenkäfer einzusetzen. In noch intakten Fichtenwäldern wird versucht, einzelne käferbefallene Bäume zu entnehmen und dadurch eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Die schwarzen Borkenkäferfallen, die man vereinzelt an Waldrändern sieht, dienen lediglich dem Monitoring, also der statistischen Auswertung der Käferpopulation.
    Eine Holzkonservierung (z.B. durch Nass- oder Folienlager) wäre zwar grundsätzlich möglich, jedoch ist das Risiko der Holzentwertung extrem hoch. Die erforderlichen Voraussetzungen für die jeweiligen Konservierungsmethoden reichen von einer guten Holzqualität bis zu deren sorgfältiger Einrichtung und Überwachung. Da wir nur vom Borkenkäfer befallenes Holz, welches einen sog. Bläuepilz mitbringt, einlagern würden und die Holzfeuchte in den Stämmen zu niedrig ist, ist schon bereits die Voraussetzung der guten Holzqualität nicht mehr gegeben.

    Warum verbleibt so viel Restholz auf der Fläche und was ist mit den vereinzelt stehengebliebenen Bäumen?
    Die auf den Flächen befindlichen Resthölzer wurden oftmals z.B. aufgrund schlechter Qualität oder technischer Erntehindernissen nicht aus der Fläche entnommen, es wäre schlichtweg unwirtschaftlich. Des Weiteren ist der Verbleib des Holzes auf der Fläche für die nachfolgende Fauna und Flora im Nährstoffkreislauf nützlich und wertvoll.
    Der gesamte Kommunalwald in der Verbandsgemeinde Rennerod ist nach dem Standard des „Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes“, kurz PEFC, zertifiziert. Diese Institution dient der Sicherstellung und Vermarktung nachhaltiger Waldbewirtschaftung durch ein unabhängiges Zertifzierungssystem. Dies erfordert u.a., dass die Flächen nur auf sogenannten Rückegassen befahren werden dürfen. Aus diesem Grund ist es sinnvoll, diese dauerhaft kenntlich zu machen, was durch die auf ca. 1,5 m Höhe abge-schnittenen Baumstümpfe erfolgen soll, die man systematisch angeordnet auf den Kahlflächen sieht.
    Vereinzelt stehende Bäume auf der Fläche dienen als sog. Habitatbäume und sollen z.B. Greifvögeln die Möglichkeit zum Ruhen und Ausspähen von Mäusen geben.

    Ist nur die Fichte betroffen?
    Leider ist nicht nur die Fichte von der extremen Trockenheit betroffen. Alle Baumarten zeigen deutliche Stresszeichen. So sterben vereinzelt auch schon Buchen oder der Bergahorn wirft bereits im Sommer das Laub ab. Sekundärschädlinge haben dann ein leichtes Spiel. Zudem ist die Fällung kronentrockener Bäume sehr gefährlich und erfordert den Einsatz von Profis bzw. technischem Spezialgerät.

    Was passiert mit den Kahlflächen?
    Ziel ist es, alle Kahlflächen wieder aufzuforsten. Mit Unterstützung von Fördermitteln ist dies auch finanziell möglich. Beschränkende Faktoren sind die Verfügbarkeit der Pflanzen, das sehr hohe Arbeitsaufkommen und „Mutter Natur“. Für die Wiederaufforstung gibt es verschiedene Ansätze, jedoch keinen Königsweg. Auch bei der Baumartenwahl gibt es nicht die eine Baumart, welche alle unsere zukünftigen forstlichen Probleme löst. Es gilt das Risiko zu streuen und viele verschiedene Baumarten (Biodiversität) auf die Fläche zu bringen – darunter auch wieder Nadelholz. Der Klimawandel wird bei der Baumartenwahl berücksichtigt. Nach Klimamodellen wäre die Fichte nur noch an wenigen Stellen im Hohen Westerwald standortgerecht. Die Folgen der ehemals geschaffenen großen Reinbestände erleben wir aktuell bei der Fichte.

    Welche Schutzmaßnahmen müssen erfolgen?
    Neben den abiotischen Schäden (z.B. Trockenheit, Spätfröste) stellen die biotischen Schäden (Verbiss-Schäden durch Rehwild, Hasen, Mäuse, etc.) ein großes Problem dar. Es ist schlichtweg unmöglich, alle Wiederaufforstungsflächen vor Verbiss zu schützen, dennoch müssen die Kosten des Verbiss-Schutzes (Zaun, Hüllen oder Netze) auf ein Mindestmaß beschränkt werden. Weitere beschränkende Aspekte sind ästhetische sowie umweltpolitische Gründe (z.B. Mikroplastik). Der Erfolg jeder Wiederaufforstung hängt unter anderem vom Einsatz der Jägerschaft ab. Es ist wichtig, den Wildbestand so niedrig zu halten, dass die mit viel Geld durchgeführten Wiederaufforstungen Erfolg versprechen. Ein gutes Zusammenspiel aller Akteure ist unabdingbar und der Forst sowie der Waldeigentümer stehen im engen Kontakt zu der Jägerschaft. Die Jägerschaft der Kreisgruppe Westerwald hat jüngst erst ihre uneingeschränkte Bereitschaft zur Unterstützung einer erfolgreichen Wiederbewaldung angeboten.

    Was tut die Verwaltung?
    Die Revierförster der Verbandsgemeinde Rennerod und die zuständige Fachabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung beraten und unterstützen die Ortsgemeinden bei der Bewältigung und Überwindung des Fichtensterbens und der anschließenden Wiederaufforstung.
    Die Verbandsgemeindeverwaltung sorgt für die optimale Nutzung der zur Verfügung stehenden Fördermittel für die Aufarbeitung der Schadholzmengen, die Wiederaufforstung der betroffenen Flächen sowie der Wegeinstandsetzung.
    Erst jüngst wurde die durch die Bundesregierung aufgelegte Nachhaltigkeitsprämie Wald beantragt und zwischenzeitlich liegen der Verwaltung die Bewilligungsbescheide vor. Die Fördermittel wurden in einer Gesamthöhe von 322.100 € an alle Ortsgemeinden ausgezahlt.

    Was kann die Bevölkerung tun?
    Haben sie Geduld und Verständnis. Der Wald kann nicht mit einem Industriebetrieb (just in time) verglichen werden, selbst mit der Landwirtschaft lässt sich die Forstwirtschaft nur bedingt vergleichen. So beläuft sich die Produktionszeit selbst von Brennholz auf mindestens dreißig Jahre. Für Bauholz, welches aus Nadelholz gewonnen wird, benötigen wir mindestens vierzig, eher fünfzig Jahre. Wollen wir hochwertiges Laubholz produzieren, z.B. mächtige Eichen, benötigen wir sicher hundert und mehr Jahre.
    Nicht alles wird gelingen. So werden Wiederaufforstungen trotz hohem Engagement nicht überall und in vollem Umfang erfolgreich sein.
    Bei Unklarheiten suchen Sie das Gespräch bei den verantwortlichen Personen, wie dem Förster, den Vertretern Ihrer Ortsgemeinde oder den Fachleuten in der Forstabteilung der Verbandsgemeindeverwaltung.
    Nehmen Sie auch Rücksicht auf die Jägerschaft und unterstützen Sie diese in ihrer zunehmend schwierigeren Arbeit.
    Wir arbeiten für Generationen im Voraus und hoffen, mit den heutigen Erkenntnissen, für die Zukunft richtig zu handeln.
    Bürgerinnen und Bürger aber auch Unternehmen, die sich einbringen und helfend unterstützen wollen, können sich gerne mit Geld- oder auch Sachspenden unmittelbar an ihre jeweilige Ortsgemeinde wenden.

    Um unsere Webseite für Sie optimal zu gestalten und fortlaufend verbessern zu können, verwenden wir Cookies.
    Bitte wählen Sie Ihre Präferenzen: